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Stieglitz

Foto: Hasso von Gryczewski
Foto: Hasso von Gryczewski

Der Stieglitz Carduelis carduelis, auch Distelfink genannt, ist in unseren Breiten nicht nur Ganzjahresvogel, sondern auch Ganzjahressänger. Das namensgebende „stieglitt“ ertönt als Kontaktruf im Flug ebenso wie zum Start des perlenden Gesangs. Während der Nestbau dem Weibchen obliegt, hält das Männchen singend Wache. Stieglitze führen eine monogame Saisonehe, gehen also jedes Jahr neu auf Partnersuche.

 

Oskar Dähnhardt beschrieb 1910 in seinen „Natursagen“, wie der Stieglitz zu seinen Farben kam: „Als der liebe Gott alle Tiere und Vögel geschaffen hatte, da malte er sie auch an, den Fuchs rot, den Schimmel weiß, die Hunde braun und weiß und schwarz, das Schaf weiß, und so fort. Aber als er ganz fertig war und sich alles ansah, was er gemalt hatte, da kam noch ein kleiner Vogel, den hatte er vergessen zu malen, weil er nicht zur rechten Zeit gekommen war. Da sagte der liebe Gott: „Warum kommst du so spät? Nun musst du ganz ohne Farbe bleiben, ich habe keine mehr.“ Aber der kleine Vogel jammerte so, dass er allein keine Farbe haben solle, und sagte: „Da ist doch noch von jeder Farbe ein kleines Bisschen im Topf. Schmier‘ mir von jeder Farbe auch nur ein kleines Kleckschen an!“ Das tat denn der liebe Gott, und so kriegte der Vogel von allen Farben etwas.“